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Abbildung des Bonner Center for Dependency and Slavery Studies im Hintergrund sieht man eine antike Zeichnung: eine Figur wird durch eine andere Person mit einem Schirm vor der Sonne geschützt, begleitet von zwei bewaffneten Männern
Bonn Center for Dependency and Slavery Studies (© BCDSS)
Kegel
Exzellenzcluster

Bonn Center for Dependency and Slavery Studies

Das interdisziplinär und vergleichend angelegte Cluster baut ein internationales Zentrum für Abhängigkeitsforschung auf. Bisher konzentrierten sich die Debatten über Formen der Knechtschaft und erzwungener Arbeit vornehmlich auf Sklaverei. Ferner prägen (und verengen) die Erfahrungen mit der transatlantischen Sklaverei, die eng mit der Herausbildung des modernen Westens verknüpft ist, bis heute das Verständnis von Freiheit und Unfreiheit.

Das Cluster überwindet diese dichotomische Vorstellung von „Sklaverei versus Freiheit“, indem es mit „asymmetrischer Abhängigkeit“ ein neues Schlüsselkonzept entwickelt, das alle Ausprägungen von Dependenzen (etwa Schuldknechtschaft, Zwangsarbeit, Dienstbarkeit, Leibeigenschaft, Hausarbeit, aber auch Lohnarbeit und Formen von Patronage) berücksichtigt. Dabei werden auch Epochen, Räume und Kontexte der Weltgeschichte bearbeitet, die nicht der europäischen Kolonisierung ausgesetzt waren (z.B. altorientalische Kulturen oder vor-moderne Gesellschaften in Asien, Afrika und Amerika).

Das Cluster untersucht das Thema aus fünf Perspektiven. „Grammatiken der Abhängigkeit“ stellt die schriftliche Artikulation von Abhängigkeiten in den Mittelpunkt. Analysiert werden mit asymmetrischen Abhängigkeiten verbundene Semantiken, Narrative und Diskurse. „Verkörperungen von Abhängigkeiten“ befasst sich mit nicht-textuellen Überresten von Abhängigkeiten, die sich in Körper und Artefakte „eingeschrieben“ haben. Das dritte Forschungsfeld konzentriert sich auf Abhängigkeitsformen, die in der Verflechtung von Institutionen, Normen und Praktiken entstehen. Der vierte Arbeitsbereich (Arbeit und Räumlichkeit) stellt die mit dem Phänomen der Arbeit verknüpften Dependenzen und Mobilitäten in das Zentrum. Das letzte Feld „Gender (und Intersektionalität)“ konzentriert sich auf Abhängigkeiten, die sich im Zusammenspiel von Geschlecht, Status, Klasse, Ethnizität, Religion und Alter erklären lassen.

Die Infrastruktur, die ideale Bedingungen für die Forschung schafft, setzt sich aus folgenden Instrumenten zusammen: Über eine Graduiertenschule, ein Postdoc- und ein Fellowprogramm werden 40 PromovendInnen, zehn PostdoktorandInnen und neun Fellows in die Aktivitäten des Clusters eingebunden. Fünf Clusterprofessuren ergänzen die Gruppe der PIs. Unsere Publikationen, eine intensive Öffentlichkeitsarbeit, die Etablierung eines internationalen Masterprogramms, eines Center for Digital Humanities und ein globales Netzwerk transportieren die Ergebnisse des Clusters in die Akademia, die universitäre Lehre und in die Öffentlichkeit. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Qualitätskontrolle und die Chancengleichheit gelegt.

Das Cluster macht Bonn zu einem international sichtbaren Zentrum der Abhängigkeitsforschung mit einem Schwerpunkt auf europäische und außereuropäische vormoderne Gesellschaften . Es stellt sich auch der Herausforderung, vorherrschende eurozentrische Repräsentationen und Interpretationen der Vergangenheit weiter zu dekonstruieren.

Beteiligte Institution:

  • Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie

Podcast zum Exzellenzcluster

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