Leipzig Center of Metabolism – LeiCeM
Stoffwechselgesundheit verstehen und verbessern
In der Forschung zum metabolischen Syndrom liegt der Fokus üblicherweise auf klassischen Risikofaktoren und dem Erreichen allgemein anerkannter Schwellenwerte (Blutzucker, Blutfette, Blutdruck). LeiCeM hingegen verfolgt einen anderen Ansatz, indem es individuelle Faktoren bereits in einem früheren Stadium der Kausalkette berücksichtigt. Dazu zählen beispielsweise genetische Veranlagung und evolutionäres Erbe, Determinanten in der frühen Lebensphase, Geschlecht, hormonelle Übergänge wie Pubertät und Menopause, Mikrobiom und epigenetische Veränderungen sowie Aspekte der psychischen Gesundheit. In mehrdimensionalen Analysen laufender Kohortenstudien werden viele dieser Faktoren berücksichtigt, um Proof-of-Concept-Interventionen in ausgewählten Gruppen zu konzipieren und durchzuführen. Dies betrifft beispielsweise Patient*innen mit hochriskanter metabolischer Entzündung, Kinder mit bestimmten Formen von Adipositas oder Frauen mit früher Menopause und verminderter mikrobieller Vielfalt im Darm.
Personalisierte Therapien durch gezielte Datenanalyse
Mithilfe von Künstlicher Intelligenz verknüpft LeiCeM individuelle Krankheitsverläufe, präzise Phänotypisierungsdaten und umfangreiche Multi-Omics-Daten. Auf dieser Grundlage werden innovative, scorebasierte Instrumente entwickelt, die eine frühzeitige Erkennung von Erkrankungen, die Überwachung des Krankheitsverlaufs und die Bewertung von Therapieerfolgen ermöglichen sollen. Im Fokus stehen die Gesundheit von Gehirn und Psyche, die Gesundheit von Fettgewebe und Leber sowie die Herz-Kreislauf-Gesundheit („Organ Health Concept“).
Diese neuartigen Scores dienen als Grundlage für gezielte Interventionsstudien in definierten Patient*innengruppen. Dabei werden sowohl etablierte Maßnahmen wie Medikamente, Verhaltensänderungen und Bewegungstherapien als auch innovative Ansätze wie Ernährungsinterventionen, Mikrobiom-basierte Therapien oder personalisierte Zelltherapien in klinischen Studien und Kohorten untersucht. Ziel ist es, Merkmale zu identifizieren, die vorhersagen können, welche Patient*innen besonders gut auf bestimmte Therapien ansprechen (z.B. durch Biomarker im Blut, leicht zugängliche Gewebe- und Flüssigproben, Verhaltensmerkmale oder bildgebende Befunde). Ein besonderer Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Einfluss von Geschlecht und Gender bei der Behandlung metabolischer Erkrankungen.
Neue Strukturen für die Medizin von morgen
Seit Beginn der Förderung im Januar 2026 wurden bereits 30 Forschungsprojekte gestartet, die die metabolische Gesundheit aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven untersuchen. Bis zum Ende der siebenjährigen Förderperiode im Jahr 2032 sollen am LeiCeM zudem bis zu vier neue Professuren eingerichtet werden. Ergänzt wird dies durch innovative Qualifizierungsprogramme für Medizinstudierende sowie Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen.
Die einzigartige Bündelung von Expertise in den Bereichen metabolische, kardiovaskuläre, neurobildgebende und Psychometrie macht Leipzig zu einem international sichtbaren Zentrum für die Erforschung metabolischer Erkrankungen. Nach Jahrzehnten begrenzter Fortschritte für Millionen von Menschen mit metabolischem Syndrom bietet LeiCeM die Chance, die Stoffwechselmedizin der Zukunft neu zu gestalten.
Beteiligte Institutionen:
- Ben-Gurion University of the Negev
- Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI)
- Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt
- Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
- Herzzentrum Leipzig GmbH – Universitätsklinik
- Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI EVA)
- Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften